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Die Existenz intersexueller Arbeitnehmer sichtbar machen

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Die Existenz intersexueller Arbeitnehmer sichtbar machen

Jeder 2000. Arbeitnehmer in der Bundesrepublik Deutschland ist als intersexueller Mensch geboren und wurde meist als Säugling oder Kind ohne Einwilligung menschenrechtswidrig dem weiblichen oder männlichen Geschlecht zugewiesen. Diese Menschen haben eine von der Norm abweichende biologische Realität.

Intersexuelle Menschen wurden früher Hermaphroditen, zwischengeschlechtliche Menschen oder auch Zwitter genannt. Die Existenz dieser Menschen ist Realität. Das Tabu um ihr Leben gilt es zu brechen und ihnen ist der ungehinderte Zugang zu den Menschenrechten zu gewähren. Der ver.di BAK LSBT hat einstimmig den Antrag des ver.di AK LSBTI, Hamburg, zur Stärkung der Rechte auch innerhalb der Gesamtorganisation ver.di verabschiedet.

Die Einhaltung der Menschenrechte und des grundrechtlichen Schutzes für die intersexuelle Kollegen wird vom BAK eingefordert.

Der überwiegende Teil intersexueller Kolleginnen und Kollegen haben schwere medizinische Interventionen der geschlechtlichen Normierung hinter sich und kämpfen täglich mit der Angst erkannt, verhöhnt, diskriminiert und benachteiligt zu werden. Für Eltern eines intersexualisierten Kindes bedeutet dies bis zum heutigen Tage, ein Leben mit einem tabuisierten Raum zu führen. Ursachen sind u.a. die Unsichtbarmachung der biologischen Realität und die Unwissenheit großer Teile der Bevölkerung. Die Eingriffe in das Leben dieser intersexuell Geborenen geschehen zumeist ohne medizinische Evidenz, ohne Qualitätskontrolle, ohne ausreichende wissenschaftliche Erkenntnisse. Der grundrechtliche Mindestschutz des Staates wird dieser Menschengruppe versagt. Die meisten Opfer dieser Zwangsbehandlungen tragen massive psychische und physische Schäden davon, unter denen sie ein Leben lang leiden. Oft werden intersexuelle Menschen in ein Geschlecht gedrängt, dass ihnen nicht entspricht; eine selbstbestimmte Entwicklung wird ihnen unmöglich gemacht. Es handelt sich um schwere Menschenrechtsverstöße. Das Recht auf körperliche Unversehrtheit, Selbstbestimmung und Würde wird verletzt.

Medizinische Eingriffe, seien sie chirurgisch, medikamentös oder hormonell, dürfen ausschließlich aufgrund der informierten Einwilligung der betroffenen intersexuellen Menschen erfolgen. Wir setzen uns für die Schaffung verbindlicher "Standards of Care" ein, die unter Einbeziehung der betroffenen Menschen und von Antidiskriminierungsverbänden erstellt werden müssen. Notwendig sind umfassende und vorurteilsfreie Informationen für Eltern intersexueller Kinder. Das Thema Intersexualität muss in die Ausbildung medizinischer und sozialer Berufe Eingang finden und einer breiten Masse an Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern muss für das Thema sensibilisiert werden. Für Menschen, die menschenrechtswidrigen Zwangsbehandlungen unterworfen wurden, fordern wir Entschädigung und angemessene gesundheitliche Versorgung. Intersexuelle Menschen haben als gleichberechtigte Kolleginnen und Kollegen ein Recht auf freie Entfaltung und Entwicklung. Es gibt keinen sachlichen Grund, warum Menschen zwangsweise entweder männlich oder weiblich sein müssen. Intersexuelle Menschen müssen einen angemessenen Platz in der Rechtsordnung erhalten. Die Aufklärung in den Betrieben, den Mitarbeitergremien, der Gewerkschaft, der Gleichstellungsbeauftragten und Schwerbehindertenvertreter in und durch die Gewerkschaften ist dringend erfordert.

Mehr Informationen und Beratung über den ver.di – AK LSBTI.
Die Kollegin Lucie ist zu erreichen per Mail lucie@intersexuelle-menschen.net

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